Nichtwissen - ein Erfolgsfaktor?
Fast alle Schlagworte der Managementphilosophien haben eine polemische, zumindest normative Komponente. Indem sie für etwas werben, wenden sie sich - meist implizit - gegen etwas anderes. Was das Schlagwort "Wissensmanagement" betrifft, muss man Ähnliches vermuten, denn auch dieser Begriff hat eine "andere Seite". Sie besteht in der Behauptung, dass es in Unternehmen bisher kaum Bemühungen gibt, ihr Wissen über Außen- und Innenwelt derart aufzubereiten (und zu entwickeln), dass es als Grundlage für betrieblich sinnvolle Entscheidungen genutzt werden könne. Um die begrifflichen Qualitäten des Wissensmanagement zu erfassen, sollte man beide Seiten betrachten: die positive Seite des Begriffs ("mehr Wissen nutzen") impliziert den beabsichtigten Zugriff auf Ressourcen der Organisation. Darin steckt die Einsicht, dass die Organisation weiß, was das Management (noch) nicht weiß.
Wer sich also auf Wissen einlässt, muss demnach auch den Zweifel akzeptieren. Die alten Formen des Expertenwissens, die mit allen Zeichen der Autorität kommuniziert werden konnten, weichen einem Management des Nichtwissens.
Hier setzt das diesjährige 5. Karlsruher Symposium an, indem die Vorträge und Workshops provokante Thesen formulieren, die zum (Nach-)denken und zum Diskutieren anregen wollen, ob und wie mit Erfahrungen umzugehen ist.